Sturzprävention zuhause: Raum-für-Raum-Tipps für Senioren

Die meisten älteren Menschen möchten so lange wie möglich in ihrer gewohnten Umgebung leben. Ein sicheres Zuhause ist dabei einer der wichtigsten Bausteine. Oft genügen schon kleine Anpassungen: ein Haltegriff, eine zusätzliche Lampe oder ein aufgeräumter Flur.

Zuhause alt werden – aber sicher!

Stürze im Alter sind häufig: Gemäss der Schweizerischen Gesundheitsbefragung 2022 ist rund jede vierte Person ab 65 innerhalb eines Jahres mindestens einmal gestürzt – und mit zunehmendem Alter wird der Anteil grösser. Stürze sind zudem die häufigste Unfallart im Alter – in der Schweiz gehen über 80 Prozent der Unfälle bei älteren Personen auf einen Sturz zurück.

Laut einem aktuellen Bericht der BFU werden in der Schweiz jedes Jahr rund 92’000 Sturzverletzungen bei Menschen ab 65 medizinisch behandelt, rund 1600 von ihnen sterben an den Folgen eines Sturzes. Bei Menschen ab 65 passiert rund die Hälfte aller Stürze zuhause.

Ein Sturz kann den Alltag spürbar verändern: Zwischen 20 und 30 Prozent der Gestürzten erleiden Verletzungen, die Mobilität und Unabhängigkeit einschränken. Dazu kommt oft die Angst vor dem nächsten Sturz: Wer sich unsicher fühlt, bewegt sich weniger – und genau das schwächt Muskeln und Gleichgewicht weiter.

Mit einem sturzsicheren Zuhause, regelmässiger Bewegung und der passenden Betreuung zuhause bleibt das selbstbestimmte Wohnen in den eigenen vier Wänden auch nach einem Sturz möglich. Eine Betreuungsperson unterstützt im Alltag genau dort, wo es unsicher wird – und gibt Betroffenen wie Angehörigen Sicherheit.

Was ist Sturzprävention? Sturzprävention umfasst alle Massnahmen, die das Risiko eines Sturzes senken: ein sicheres Zuhause ohne Stolperfallen, gezieltes Kraft- und Gleichgewichtstraining sowie die Kontrolle von Ohren, Augen, Schuhen und Medikamenten.

Raum für Raum: So wird das Zuhause sturzsicher

Am besten gehen Sie Ihre Wohnung oder Ihr Haus einmal bewusst ab – idealerweise gemeinsam mit einer Fachperson, denn ein geschulter Blick sieht mehr. Sentivo macht solche Sicherheitschecks bei Ihnen zuhause mit der Expertise einer langjährigen Erfahrung in der Seniorenbetreuung. Für einen ersten eigenen Überblick bietet die BFU zudem eine Online-Checkliste an, die Gefahren Raum für Raum aufzeigt.

Eingangsbereich, Entrée und Gang

  • Licht mit Bewegungsmelder: Niemand muss im Dunkeln nach dem Schalter tasten. Auch beim Hauseingang aussen.
  • Teppiche und Läufer: Lose Läufer entfernen oder mit Antirutsch-Unterlage sichern; aufstehende Ecken sind klassische Stolperfallen.
  • Sitzgelegenheit: Ein stabiler Hocker oder eine Bank zum Schuhe-Anziehen – wer auf einem Bein balanciert, stürzt leichter.
  • Freie Wege: Taschen, Schuhe und Pakete gehören nicht auf den Boden.

Treppen

Laut BFU geschieht ein Fünftel aller Sturzunfälle auf Treppen und Stufen. Die BFU empfiehlt deshalb, Treppen mit Handläufen zu versehen und die Stufen zu markieren.

  • Handlauf auf beiden Seiten und durchgehend bis zur letzten Stufe – und ihn auch wirklich benutzen.
  • Stufenkanten markieren: Ein kontrastreicher Streifen macht die Kante auch bei schwächerem Sehen gut erkennbar.
  • Licht oben und unten schaltbar, damit man nie ins Dunkle hinein- oder hinausgeht.
  • Nichts auf den Stufen abstellen, auch nicht «nur kurz».

Wohnzimmer

  • Laufwege freiräumen: Kabel entlang der Wand führen, kleine Beistelltische aus dem Weg nehmen.
  • Sessel mit Armlehnen in angenehmer Sitzhöhe erleichtern das Aufstehen.
  • Stabile Möbel als «Handlauf»: Was man zum Abstützen nutzt, darf nicht wackeln oder wegrollen.
  • Telefon in Reichweite, damit niemand für einen Anruf aufspringen muss.

Küche

  • Häufig Gebrauchtes auf Griffhöhe einräumen – zwischen Hüft- und Schulterhöhe.
  • Standfeste Trittleiter statt Stuhl oder Schemel: Laut BFU sind wacklige Schemel für zahlreiche schwere Stürze verantwortlich.
  • Verschüttetes sofort aufwischen: Nasse Böden sind besonders rutschig – deshalb gleich trocknen und rutschfeste Hausschuhe tragen.

Badezimmer

  • Rutschfeste Matten in Dusche oder Badewanne und davor.
  • Fest montierte Haltegriffe bei WC und Dusche – Griffe mit Saugnapf geben im Ernstfall nicht immer zuverlässig Halt.
  • Duschhocker oder Duschklappsitz, damit man nicht lange auf nassem Boden stehen muss.
  • WC-Sitzerhöhung, wenn das Hinsetzen und Aufstehen schwerfällt.
  • Nachtlicht für den nächtlichen Gang ins Bad.

Schlafzimmer

  • Richtige Betthöhe: Im Sitzen auf der Bettkante sollten beide Füsse flach auf dem Boden stehen.
  • Lichtschalter vom Bett aus erreichbar und ein Nachtlicht auf dem Weg zum WC.
  • Langsam aufstehen: Erst kurz sitzen, dann aufstehen – so wird einem weniger schwindlig.
  • Stabiler Nachttisch für Brille, Telefon und ein Glas Wasser.

Weg zur Haustüre und Hauseingang

Der Weg vom Trottoir bis zur Haustüre wird oft unterschätzt – dabei soll er bei jedem Wetter und zu jeder Tageszeit begehbar sein. Gerade im Winter wird er heikel, wenn Schnee, Eis oder nasses Laub liegen.

  • Ebener, rutschfester Weg: Lose oder gekippte Platten, Wurzeln und Löcher ausbessern lassen. Nasses Laub und Moos regelmässig entfernen.
  • Schnee und Eis: Hauszugänge, Vorplätze und Aussentreppen von Schnee und Eis befreien, vorbeugend salzen und gut beleuchten. Wer das nicht selbst kann, regelt den Winterdienst frühzeitig mit Hauswartung, Nachbarn oder Angehörigen.
  • Licht entlang des Wegs: Leuchten mit Bewegungsmelder vom Gartentor bis zur Tür, damit man abends nie im Dunkeln nach dem Schlüssel sucht.
  • Aussenstufen sichern: Handlauf auf beiden Seiten, Stufenkanten kontrastreich markieren. Wo möglich, eine flache Rampe statt einzelner Stufen.
  • Abstellfläche neben der Tür: Eine kleine Bank oder Ablage für Einkaufstaschen – so hat man beim Aufschliessen beide Hände frei.
  • Fussmatte und Schwelle: Eine flache, rutschfeste Matte, die sich nicht wellt. Die Türschwelle gut sichtbar markieren oder mit einer kleinen Rampe entschärfen.
  • Nasse Schuhe abstreifen: Vor dem Betreten des Hauses nasse Schuhe gut abstreifen – sonst wird der Boden im Entrée zur Rutschbahn.
  • Gutes Profil, im Winter auch Spikes: Robuste Schuhe mit gutem Profil tragen; bei Eis geben Spikes zusätzlichen Halt. Wichtig: Spikes auf trockenem Asphalt oder Beton wieder abnehmen.
  • Briefkasten erreichbar: Er sollte ohne Bücken und ohne Strecken auf Zehenspitzen erreichbar sein.
  • Mietwohnung: Handläufe, Beleuchtung oder Rampen am Hauseingang mit der Verwaltung absprechen – viele Vermieter sind offen dafür.

Balkon und Garten

  • Schwellen markieren oder mit einer kleinen Rampe entschärfen.
  • Gartenschläuche und Geräte wegräumen, damit sie nicht zur Stolperfalle werden.
  • Nasses Laub, Moos und Eis auch auf Balkon und Terrasse regelmässig entfernen.

Mehr als Einrichtung: sechs Punkte, die oft vergessen gehen

Die sicherste Wohnung nützt wenig, wenn Kraft und Gleichgewicht nachlassen. Neben dem Zuhause lohnt sich deshalb ein Blick auf den Menschen selbst.

  1. Bewegung und Gleichgewicht trainieren:
    Wer gezielt trainiert, kann Stürze in vielen Fällen vermeiden, so die BFU. Auf sichergehen.ch von BFU, Pro Senectute und Gesundheitsförderung Schweiz finden Sie einen Bewegungstest, Übungen für zuhause und Kurse in der Nähe. Welche Sportarten sich im Alter besonders eignen, lesen Sie in unserem Ratgeber Sport im Alter: Ein Weg zu besserer Lebensqualität.
  2. Gutes Schuhwerk:
    Die BFU empfiehlt, im Haus und ausserhalb geeignete Schuhe zu tragen – also geschlossene Hausschuhe mit rutschfester Sohle statt ausgetretener Pantoffeln oder Socken.
  3. Augen kontrollieren lassen:
    Die BFU rät, das Sehvermögen regelmässig überprüfen zu lassen, denn nachlassende Sehkraft erhöht das Sturzrisiko.
  4. Ohren nicht vergessen:
    Im Innenohr sitzt nicht nur das Gehör, sondern auch unser Gleichgewichtsorgan. Und auch das Hören selbst spielt eine Rolle: Eine Studie der Johns Hopkins University bei Erwachsenen zwischen 40 und 69 Jahren zeigte, dass Menschen mit einer leichten Schwerhörigkeit fast dreimal häufiger gestürzt waren – jede weitere Hörminderung um 10 Dezibel erhöhte das Risiko um das 1,4-Fache. Die Forschenden vermuten zwei Gründe: Wer schlecht hört, nimmt seine Umgebung weniger wahr. Und das Gehirn muss beim Zuhören so viel leisten, dass weniger Kapazität für Gang und Gleichgewicht bleibt. Ein Hörtest beim Ohrenarzt oder beim Hörakustiker lohnt sich deshalb doppelt.
  5. Medikamente regelmässig überprüfen lassen:
    Viele ältere Menschen nehmen täglich fünf oder mehr Medikamente ein und reagieren mit den Jahren empfindlicher auf Neben- und Wechselwirkungen. Medikamente werden deshalb häufiger als gedacht zu Auslösern schwerer Stürze. Laut einem Fachbericht in Ars Medici nehmen rund 90 Prozent aller Sturzpatientinnen und -patienten regelmässig sogenannte sturzfördernde Medikamente ein. Dazu gehören zum Beispiel Schlaf- und Beruhigungsmittel, gewisse Antidepressiva, entwässernde Tabletten, Blutdrucksenker und starke Schmerzmittel. Sie können müde und benommen machen oder den Blutdruck beim Aufstehen absacken lassen, sodass einem kurz schwarz vor Augen wird. Wichtig: Medikamente nie eigenmächtig absetzen. Bitten Sie stattdessen Ihren Hausarzt oder die Apotheke Ihres Vertrauens um einen Medikamenten-Check – oft lässt sich ein Mittel ersetzen, die Dosis anpassen oder der Einnahmezeitpunkt ändern.
  6. Hilfe rufen können:
    Ein Notrufknopf am Handgelenk oder als Halskette gibt Sicherheit – speziell für Menschen, die allein leben.

Nicht allein: Wer beim sicheren Zuhause hilft

Fachliche Abklärung vor Ort: Den Sicherheitscheck bei Ihnen zuhause übernimmt Sentivo jederzeit: Wir erkennen Stolperfallen, die im Alltag niemandem mehr auffallen, und zeigen, welche Anpassungen sich wirklich lohnen.

Begleitung im Alltag: Viele Stürze passieren bei ganz alltäglichen Handgriffen – beim Duschen, beim Aufhängen der Wäsche, beim nächtlichen Gang ins Bad. Genau hier setzt die Seniorenbetreuung von Sentivo an: Eine erfahrene Betreuungsperson unterstützt im Haushalt, begleitet beim Spaziergang und hat ein Auge auf neue Stolperfallen – ob stundenweise oder als 24-Stunden-Betreuung im Live-in-Modell.

Das entlastet auch pflegende Angehörige, die sich nicht mehr ständig fragen müssen, ob zuhause alles gut geht. So bleibt das Wichtigste möglich: ein selbstbestimmtes Leben in der gewohnten Umgebung, abgestimmt auf die individuellen Bedürfnisse.

Autorin und Quellen

Autorin: Marion Eggenberger, Leitung Executive Office, Sentivo GmbH, Winterthur

Quellen: